Martina Hela

Auszug aus dem Buch:

„Bevor ich die eigentliche Geschichte über meinen Sohn Mathias erzähle, noch ein paar Worte zu meiner Person und meiner Behinderung.

Ich benütze einen Elektrorollstuhl und kann nicht so wie die anderen Menschen sprechen. Wenn man sich mit mir unterhalten möchte, muss man das Alphabet aufsagen, und ich nicke beim richtigen Buchstaben. So entstehen zuerst Wörter und dann Sätze. Wenn man mich nicht kennt, klingt es sehr kompliziert. Das ist es aber nicht. Im Alltag unterstützen mich Frauen, die meine persönlichen Assistentinnen sind. Eine neue Assistentin braucht etwa zehn Minuten, bis sie meine Sprache versteht. Bis sie dieses System selbst halbwegs beherrscht, dauert es etwa einen halben Tag. Diese Kommunikation ist für mich lebenswichtig, denn wer nicht mit mir sprechen kann, dem kann ich auch nichts sagen, zum Beispiel wie ich etwas möchte, oder was ich brauche. Wenn sich eine Assistentin also nicht auf meine Art zu sprechen einstellt, dann ist es unmöglich, dass sie bei mir arbeitet. Ich brauche meine Assistentinnen beim Essen und Trinken, beim Duschen und Waschen, einfach bei jedem Handgriff, aber ich finde das überhaupt nicht schlimm. Da ich nicht sprechen kann, brauche ich auch zum Führen von Gesprächen oder zum Telefonieren Unterstützung. Das heißt, die Assistentinnen übersetzen einfach, was ich sagen möchte. Natürlich können meine Freunde und Freundinnen auch Buchstaben aufsagen, aber meine Assistentinnen sind darin einfach viel geübter. Ich bekomme hoffentlich bald ein Kommunikationsgerät. Dieses Gerät soll das Übersetzen der Assistentinnen ersetzen. Manchmal passiert es nämlich, dass eine Assistentin auf einmal mit der Person spricht, mit der ich mich eigentlich treffe. Das empfinde ich als eine unglaubliche Frechheit, und manchmal werde ich in solchen Situationen sehr wütend.

Wobei ich keine Hilfe brauche ist beim Schreiben am Computer. Ich schreibe nämlich mit dem Kopf. Dafür wird mir ein Kopfstab aufgesetzt, mit dem ich die Tasten drücken kann. Derzeit lerne ich für meine Matura, zu der mir nur mehr eine Prüfung fehlt. Nebenbei habe ich als außerordentliche Hörerin bereits mit dem Biologiestudium begonnen.“

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